Am 29. Juni ist unser ehemaliger Turntrainer Gerhard Kaminski im Alter von 93 Jahren verstorben. Er bleibt uns Trainern und ehemaligen Turnern als passionierter, stets freundlicher und für den Turnsport lebender Trainer in Erinnerung. Mit seiner ruhigen und empathischen Art hat er alle seine ehemaligen Turner von sich überzeugt. Er hat uns mit seiner langjährigen Erfahrung im Turnsport und seiner Lebenserfahrung zu hervorragenden Turnern geformt und ebenso wichtig zu unserer positiven Entwicklung als Heranwachsende beigetragen.
Gerhard Kaminskis Lebensweg war eng mit der Geschichte des deutschen Gerätturnens verbunden. Ab 1955 baute er als Cheftrainer den SC Dynamo Berlin zu einem der erfolgreichsten Turnklubs Deutschlands auf. Aus seiner Arbeit gingen Weltklasseathletinnen und -athleten wie Karin Janz, Maxi Gnauck oder Olympiasieger Andreas Wecker hervor. Als international anerkannter Kampfrichter saß er über Jahrzehnte bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften an den Geräten und gab sein Fachwissen im Auftrag des Weltturnverbandes in Kampfrichterkursen weiter. Für sein Wirken wurde er vielfach geehrt, unter anderem 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz.
Dank seiner Freundschaft zu unserem noch aktiven Trainer Ludwig Forster übernahm Gerhard Kaminski nach seiner leistungssportlichen Laufbahn ein Traineramt bei uns im TuS Lichterfelde. Mit derselben Leidenschaft widmete er sich dort der Ausbildung von Turnern im Breitensport. Neben seinem unglaublichen Fachwissen werden mir seine witzigen, aber stets nützlichen Sprüche wie „Drück Wasser aus den Barrenholmen“ oder seine Wetten um ein Erfrischungsgetränk in Erinnerung bleiben, wenn man kurz vor dem Erlernen eines neuen Turnelements stand oder auch mal das letzte bisschen Mut gefehlt hat. Dreimal bis viermal pro Woche nahm er den Weg aus Zeuthen auf sich, um an der Seite von Ludwig Forster in unserer Halle zu stehen.
Neben seinem beeindruckenden Lebenswerk bleibt mir vor allem seine Selbstverständlichkeit in Erinnerung, mit der er sein Wissen an die nächste Trainergeneration weitergab. So kam ich, Alan Rachid, am Ende meiner aktiven „Turnkarriere“, in den Genuss, gemeinsam mit ihm Turngruppen zu trainieren. Viel von seinem Wissen hilft mir noch heute im Trainingsbetrieb.
Erst 2012, an seinem 79. Geburtstag, verabschiedete sich Gerhard Kaminski in den Ruhestand und damit auch von seiner Riege beim TuS Lichterfelde. Unvergessen bleibt dabei nicht nur der Fachmann, sondern vor allem der Mensch: einer, der trotz seines Leistungsstrebens nie seine Menschlichkeit und Kollegialität verlor.
Wir sind dankbar für die Jahre, die „Kammi“, „Gerhard“ oder „Herr Kaminski“, je nachdem, wie man ihn nannte, bei uns verbracht hat, und für alles, was er unseren Turnern mitgegeben hat.
Wir werden Gerhard immer positiv in Erinnerung behalten und sein Wissen sowie seine Leidenschaft für den Turnsport weiterleben und weitergeben.
Alan Rachid und Ludwig Forster
Text- und Bildquelle: https://www.gymmedia.de/Geraetturnen/Deutschlands-internationaler-Turnstratege-Gerhard-Kaminski-verstorben