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120 Jahre TuSLi

2007 - Bericht aus der Festschrift '120 Jahre TuSLi'


Wie kommt man zum Badmintonspiel? Nun, bei mir war das z.B. Zufall, wie das eben so im Leben ist. Regnerische Osterfeiertage im April 1973 ließen den üblichen Spaziergang regelrecht ins Wasser fallen; dafür lockte die Deutsche Badminton-Meisterschaft in der Sporthalle Schöneberg am Sachsendamm, die der Badminton-Verband Berlin ausrichtete. Der leichte, kleine Federball reizte mich, wurde er doch so leicht und schnell über das Netz gespielt. Diese Sportart wirkte auf mich nicht besonders anstrengend und entsprach meinen Vorstellungen von sportlicher Bewegung. Nun, ich wurde eines Besseren belehrt, nachdem mir trotz Hilfe eines Trainers rund zwanzig Mal der Aufschlag misslang. Schön fand ich an dieser Sportart auch, dass sie generationsübergreifend und für Männer und Frauen geeignet ist. Aus der Vereinschronik erfuhr ich, dass die Badminton-Abteilung erst im Herbst 1971 gegründet wurde. In der Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Vereins steht, dass Peter Heise einer der Abteilungsgründer war und aus der Allianz-Sportvereinigung kam. Jetzt ist er siebzig Jahre alt und schwingt immer noch erfolgreich seinen Schläger - zusammen mit Ingrid Kapps, einer der ersten Spielerinnen in dieser Abteilung.  

Was hat sich nun seit der Abteilungsgründung geändert? Nun, vor 36 Jahren gab es in Berlin noch nicht so ein üppiges Hallenangebot wie heute. Trainiert wurde damals auf zwei Feldern in der Mercatorhalle. Wer Lust hatte, spielte sich am Rand warm. Die anderen saßen auf der Bank; mitunter 30 Minuten ehe ein Spielfeld frei wurde. Senioren-Anfänger waren herzlich willkommen und wurden u.a. von Horst Franke, einem erfahrenen Spieler, am Trainingsabend betreut; seine Geduld dem Lernenden gegenüber war grenzenlos. Gespielt wurde damals in der Kreisklasse, Bezirksklasse, Landesliga und Verbandsklasse. Um die Leistung zu halten und zu fördern, gab es u.a. einen Wanderpokal, eine interne Rangliste und einen Mannschaftstrainingsplan.

Besonders erwähnenswert ist die einzigartige Schüler- und Jugendarbeit Ende der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre. Geprägt hat diese Zeit Gert Förschner, der Vater der Zwillinge Bernd und Detlef, die noch von Brigitte Dau trainiert wurden. Später übernahmen die Zwillinge zusammen mit ihrem Vater das Training der Schüler und Jugendlichen, nachdem Brigitte Dau sich aus der Trainingsarbeit zurückgezogen hatte.
Die Schüler und Jugendlichen nahmen an nationalen und internationalen Wettkämpfen mit Erfolg teil. Sie fuhren nach Dänemark, Belgien und Schweden; nach Hamburg, Bremen, Ingolstadt, Krefeld, u.a. Orte. In den Berichten der Förschners aus dieser Zeit tauchten immer wieder dieselben Namen auf, die über viele Jahre Spitzenleistungen im Schüler- und Jugendbereich erzielten: Claudia Schütz, Petra Bethke, Sabine Thiede, Stefanie Westermann, Martina Drahtschmidt, Sybille Ziegener, Matthias Garbe, Carola Müller und andere. Den Trainern machte es außerordentlich Spaß, so talentierte Jugendliche zu trainieren.
Der Lohn des Trainings waren für die Trainer als auch für die Spieler die Siege – 1979: Berlin-Pokal-Sieger, zwei Meistertitel, drei Vizemeisterschaften, 1980: drei Berliner Meisterschaften, acht Vizemeisterschaften, 1981: zwei norddeutsche Meistertitel, zwei Vizemeister, 1982 wurden noch erste Plätze erzielt, überragenden Leistungen jedoch nicht mehr gezeigt. 1983 wurden Sabine Thiede und Stefanie Westermann bei den Deutschen Jugend- und Schüler-Einzelmeisterschaften in Brauweiler ‚Vizemeister’ im Schüler-Mädchendoppel; sie erhielten vom Deutschen Badminton Verband 1983 für besondere Leistungen die ‚DBV Anstecknadel mit silbernem Ehrenkranz’. Bei den Norddeutschen Jugend- und Einzelmeisterschaften in Itzehoe gab es einen Meistertitel und zwei Vizemeisterschaften. Den Ausklang dieser ausgewählten Siege machte 1984 Carola Müller, die in der Jugend A den ersten Platz beim Berliner Ranglistenturnier belegte. Claudia Schütz kam auf Platz drei.
1984/1985 hielt Detlef Förschner noch einige Zeit das Training aufrecht, zusammen mit Christian Sommer, der sein Nachfolger wurde.

Dieses sehr zeitintensive Trainingssystem konnte in den Folgejahren nicht aufrechterhalten werden. Auch in unserer Abteilung gab es vor vielen Jahren heftige Unstimmigkeiten im Vorstandsbereich, die dazu führten, dass einige sehr gute Spieler die Badmintonabteilung verließen. Glücklicherweise boten sich damals Nachfolger an wie Dieter Rowinsky als Sportwart, Manfred Gräßner als 2. Sportwart, Gabriele Marten als Buchhalterin sowie Andreas Klopp als Gerätewart. Andreas sorgte schon damals u.a. für Naturfederbälle, von denen ein Dutzend ca. 15 DM kostete. Heute müssen für vergleichbare Bälle 10 Euro pro Dutzend bezahlt werden. Abteilungsleiter war damals noch Wilfried Kapps, der den Abteilungsbericht für die 100-Jahrfeier von TuSLi verfasste – übrigens war auch er ein Mitbegründer unserer Abteilung. Bis auf Wilfried Kapps und Manfred Gräßner üben noch alle Beteiligten ihre damals übernommenen Ehrenämter aus.  An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Ohne Euch hätte sich die Abteilung vielleicht aufgelöst – wer weiß? Wer aber jetzt meint, Manfred Gräßner hätte sich zur Ruhe gesetzt, irrt. Er übernahm in 2006 den Posten des Abteilungsleiters und löste Christian Frank nach acht Jahren ab.

TuSLi trat 1972 dem Badminton Verband Berlin e.V. bei. Dies war Voraussetzung für die Teilnahme an Mannschaftsmeisterschaften. Veränderungen brachte auch die Wiedervereinigung Deutschlands, denn man konnte nun erstmals gegen Vereine aus Ost-Berlin und Brandenburg spielen. Bereits im Sommer 1990 wurden Freundschaftsspiele gegen Potsdam, Coswig und Fürstenwalde organisiert. Die Freundschaftsspiele gegen Coswig sind bis heute erhalten geblieben und immer wieder ein fröhliches Erlebnis. Auch die ehemaligen Ost-Berliner Vereine schlossen sich nach und nach dem Badminton Verband Berlin e.V. an, der in dieser Zeit erstmals die Grenze von 3000 Mitgliedern überschritt.

Spielte man in der Saison 1990/1991 bei den Mannschaftsmeisterschaften noch getrennt nach Ost-Berlin und West-Berlin, erfolgte bereits im Jahre 1991/1992 eine Zusammenführung aller Berliner Vereine für die Austragung der Mannschaftsmeisterschaft. Für 1990/1991 bedeutete dies, dass 136 Mannschaften aus 34 West-Berliner Vereinen um die Mannschaftsmeisterschaft spielten, und für die Saison 1991/1992 standen insgesamt 149 Mannschaften aus 43 Vereinen (Ost- und Westberlin gemeinsam) im Wettbewerb um die Mannschaftsmeisterschaft. Am 01.01.2005 fusionierte der Badminton Verband Berlin e.V. mit dem Badminton-Landesverband Brandenburg e.V.. Ansprechpartner für die Vereine ist nunmehr der Badminton Verband Berlin-Brandenburg e.V..

Unsere Abteilung meldete für die Saison 2006/2007 vier Senioren-Mannschaften sowie eine Schülermannschaft beim Verband an. Mit viel Initiative und Geduld werden die Schüler und Jugendlichen seit Jahren von Dieter Rowinsky und Christian Hohm trainiert. Dass trotz des beruflichen Drucks alles so gut funktioniert (die Ehrenamtlichen stehen mitten im Berufsleben), bedarf in der heutigen Zeit eines besonderen Lobes und Dankes.

(Quellen: Infos von Andreas Klopp, Peter Heise, Dieter Rowinsky, Gert Förschner, Archiv TuSLi-Geschäftsstelle, Wolfgang Schuch und Thorsten Kaminski vom Badminton-Verband Berlin-Brandenburg e.V., Festschrift 50 Jahre Badminton-Verband, Martin Knupp von www.Badminton.de und der Heimatverein Steglitz)

E.W.